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The secret life of symbols and numerals… …goes on:Deciphering the art trade’s annotations and codes

Call for (short) Papers für den zweiten Workshop des „Helbing Art Research Project – Studie zur Rekonstruktion der Sammlung Hugo Helbing und zum Verbleib der vermissten Werke“ (finanziert vom Deutschen Zentrum Kulturgutverluste Magdeburg) in Kooperation mit dem Fachgebiet Digitale Provenienzforschung der TU Berlin. Der Workshop findet am 10. und 11. Oktober 2025 an der Zentral- und Landesbibliothek Berlin statt.

Im Oktober 2024 veranstaltete das „Helbing Art Research Project“ einen ersten Workshop zu Ziffernfolgen, Chiffren, Kürzel und Buchstabencodes auf Rückseiten von Gemälden, Papierarbeiten, Skulpturen oder Bilderrahmen, sowie Annotationen in Auktionskatalogen. Bewusst wurde ein Format gewählt, in welchem offene Diskussionen – ähnlich dem Chathouse-Regularium – möglich waren: Teilnehmen konnte nur, wer selbst einen eigenen Beitrag beisteuerte. Diese Herangehensweise erwies sich als äußerst zielführend und wird daher auch für die zweite Ausgabe des Workshops beibehalten.

Seit März 2022 erreichen uns viele Anfragen aus Forschung und Handel zur Deutung von Nummern, Kürzeln oder Chiffren in annotierten Auktionskatalogen, den sog. Handexemplaren der Firma Helbing (https://www.arthistoricum.net/themen/portale/german-sales/helbing). Mit der sukzessiven Digitalisierung und Veröffentlichung von historischem Quellenmaterial zum Kunstmarkt wird immer deutlicher, dass Auktionshäuser und Kunsthandlungen mit teilweise sehr komplexen Annotations- und Nummernsystemen arbeiteten, die – zumal retrospektiv – nur sehr schwer zu durchdringen sind.

Doch nicht nur an den Objekten selbst bergen die auf den ersten Blick scheinbar willkürlichen Ziffern- oder Buchstabenfolgen viele Rätsel – auch in historischen Quellen zum Kunsthandel tauchen sie regelmäßig auf. Wann und zu welchem Zweck wurden sie notiert? Folgen Sie bestimmten Mustern? Welche Bedeutung haben sie für die Provenienzforschung? Lassen sich durch ihre Dechiffrierung ursprüngliche Sammlungs- oder Ordnungszusammenhänge wiederherstellen? Können Chiffrierungen in den Quellen und an den Objekten perspektivisch zusammenführt werden?

Grob unterscheiden lassen sich u.a. folgende Verwendungen von Ziffern und / oder Buchstaben:

  • Nummerierung für (buchhalterische) Ordnungssysteme und die betriebsinterne Inventarisierung (Lager- oder Eingangsbücher, Karteisysteme, etc.),
  • betriebsinterne Kennzeichnungen von Fremd- und Kommissionsware sowie Eigenbesitz im Lager,
  • betriebsinterne Nummernvergabe zur Identifikation von Einlieferern/Einlieferinnen, Käufern/Käuferinnen oder Auftraggebern/Auftraggeberinnen,
  • Anonymisierung von Einlieferern/Einlieferinnen oder Auftraggebern/Auftraggeberinnen in (auch publizierten) Einlieferungslisten durch Initialen oder Codes,
  • Abkürzungen zur Kennzeichnung unterschiedlicher Transaktionen und Vorgänge im Rahmen von An- und Verkäufen,
  • Abkürzung / Anonymisierung der an Transaktionen Beteiligten (Mitarbeitende, Transportfirmen, Restauratoren/Restauratorinnen, etc.),
  • Kennzeichnung von Beteiligungen nebst Anteilen (z.B. “á meta”),
  • Chiffrierung von (Schätz-)Preisen, Limiten oder Kosten (z.B. für Restaurierung, Rahmung).

Diese Liste ist bewusst unvollständig gehalten, denn sie soll vor allem dazu anregen, eine Vielfalt von Erkenntnissen zu Codes und Kürzeln in Kunsthandelsquellen zusammenzutragen und zu erörtern. Hierbei sollen insbesondere die verschiedenen Ansätze ihrer „Dechiffrierung“ im Vordergrund stehen – denn obwohl vereinzelte Institutionen bereits Modelle zur Dokumentation von Rückseiten- bzw. Provenienzmerkmalen an Objekten entwickelt haben, fehlen noch immer tragfähige Plattformen für die Dokumentation der überwiegend handschriftlich getätigten Vermerke in Kunsthandelsquellen. Erste methodische Ansätze hierfür bietet zwar das Informationssystem für Einlieferungskürzel bei arthistoricum.net (https://www.arthistoricum.net/themen/portale/german-sales/einlieferer) sowie das dort ebenfalls verfügbare, speziell für die Handexemplare Hugo Helbings entwickelte Glossar „Historisches Auktionsvokabular“ (https://www.arthistoricum.net/themen/portale/german- sales/helbing/glossar), doch stellen diese willkommenen Hilfsmittel keine quellen- bzw. institutionenübergreifenden Strukturen zur Erschließung, Sondierung und Analyse der genannten Phänomene zur Verfügung.

Anhand von knappen und präzisen Fallbeispielen aus der Forschungspraxis sollen auch im Rahmen des zweiten Arbeitsworkshops folgende Fragen diskutiert werden: Welche Kürzel und Chiffren in Quellen sowie an (ggf. korrespondierenden) Objekten lassen sich bereits heute auflösen, und wie? Wo stoßen bisherige Methoden der Forschung an ihre Grenzen? Wo scheitert die Auflösung und woran? Lassen sich Muster erkennen und Lösungsansätze entwickeln? Welche Tools und Dokumentationsplattformen wären hierfür denkbar?

Der ergebnisorientierte Workshop möchte im Rahmen dieser Fragestellungen erneut Erkenntnisse bündeln und dokumentieren. Die Kurzvorträge zu den einzelnen Fallbeispielen sollten nicht länger als 10 Minuten dauern und die Grundlage für ein unmittelbar folgendes Fachgespräch bilden. Ausdrücklich wird deshalb dazu eingeladen, auch Problemkonstellationen, work in progress oder bereits entwickelte best practice Ansätze vorzustellen und gesammelte, wiederholt auftauchende Ziffern- oder Buchstabengruppen, Kürzel oder anderweitige „Codes“ zu präsentieren und gemeinsam zu diskutieren. Außerdem wird dieser interdisziplinäre Workshop bewusst für neue Lösungsansätze geöffnet: Beiträge können auch aus anderen Forschungsdisziplinen eingereicht werden, die mit vergleichbaren Quellen arbeiten.

Bitte senden Sie Vorschläge für Impulsreferate (max. 1500 Zeichen) bis spätestens zum 3. August 2025 an: research@hugohelbing.org (Workshop language is German, English Contributions are welcome.)

Die Mitteilung zur Auswahl der eingesendeten Beiträge erfolgt bis zum 11. August 2025. Bitte beachten Sie, dass die Veranstalter leider keine Reisekosten übernehmen können.

Konzeption und Organisation: Meike Hopp (TU Berlin)
Jan Thomas Köhler (Helbing Projekt) Anja Matsuda (Helbing Projekt) Johannes Nathan (Helbing Projekt)

Tagung // Hugo Helbing. Auktionator, Kunsthändler, Sammler, Mäzen, Publizist, Konkurrent, Netzwerker, Bürger – ermordet 1938

Der Kunsthändler und Auktionator Hugo Helbing (1863-1938) gehörte einst zu den bekanntesten Exponenten des deutschen Kunsthandels. Nach seiner Ermordung durch die Nationalsozialisten im Zuge der Novemberpogrome 1938 geriet er aber – wie viele andere als jüdisch verfolgte Akteure der Kunstwelt – weitgehend in Vergessenheit.

Seit einigen Jahren werden Helbing und sein Auktionshaus jedoch intensiv erforscht. Das Auffinden großer Konvolute von annotierten Auktionskatalogen aus seiner Firma – sogenannte Handexemplare – hat entscheidend zur Rekonstruktion und Wiedererinnerung beigetragen. 2021/22 konnten die meisten der bekannten Handexemplare durch die Universitätsbibliothek Heidelberg digitalisiert und für die Recherche zugänglich gemacht werden. Gleichzeitig entstanden über die Jahre eine Reihe von Arbeitsgruppen und Einzelprojekten zu Helbing und seiner weitverzweigten Tätigkeit. Schließlich liegen mittlerweile auch viele Einzelstudien zu Objekten vor, die durch Helbings Firma gingen.

All dies ermöglicht und erfordert eine Bilanzierung des Forschungsstands. Die geplante Tagung am Zentralinstitut für Kunstgeschichte in München möchte hier ansetzen, um die Recherchen weiter zu vernetzen und zu bündeln. Dabei sollen auch Lücken, Fehlstellen und Desiderate dezidiert adressiert werden. Es gilt, das vielgestaltige Profil von Helbing noch präziser zu fassen und ihn zugleich breiter zu kontextualisieren. Dementsprechend sollen nicht nur Recherchen, die sich unmittelbar auf Helbing beziehen, ins Blickfeld rücken; ebenso willkommen sind Beiträge, die das Umfeld der zeitgenössischen Kunstwelt erhellen.

22.04.2025 – 23.04.2025 @. Zentralinstitut für Kunstgeschichte, Katharina-von-Bora-Str. 10, München, Vortragssaal 242, II. OG + digital.

Teilnahme & Programm

Dienstag, 22. April 2025

09:00     Meet & Greet, Kaffee im Lichthof

I. AUFTAKT
Moderation: Christian Fuhrmeister

09:30 |  Begrüßung | Dominik Brabant, Zentralinstitut für Kunstgeschichte, München
09:35 | Johannes Nathan, Forum Kunst und Markt, TU Berlin / Editor-in-Chief, Bloomsbury Art Marktes, Potsdam // Blicke von innen, Blicke von außen
09:50 | Jan Thomas Köhler, Helbing Art Research Project, Potsdam // Das Helbing Art Research Project
10:05 | Meike Hopp, Technische Universität Berlin // Die Galerie Helbing im Kontext der Forschung zum (Münchner) Kunsthandel
10:20 |  Anton Biebl, Bayerische Staatsgemäldesammlungen, München // Jüdisches Mäzenatentum in Staatlichen Sammlungen: Überlegungen zur Sichtbarmachung

II. MUSEEN
Moderation: Jan Thomas Köhler

10:40 | Theresa Sepp/Anja Zechel, Bayerische Staatsgemäldesammlungen, München // Bayerischen Staatsgemäldesammlungen und die Galerie Hugo Helbing. Sondierung einer Beziehung

11:00 | Diskussion, danach Kaffeepause

11:30 | Priscilla Pfannmüller, Bayerisches Armeemuseum, Ingolstadt // Blinde Flecken – Hugo Helbing und das Bayerische Armeemuseum
11:40 | Janine Schmitt, Deutsches Jagd- und Fischereimuseum, München // Erwerbungen des Deutschen Jagdmuseums bei „Helbing München“
11:50 | Joanna Smalcerz, Institute of Art History University of Warsaw // Wilhelm Bode und der Kunsthandel in Süddeutschland
12:00 | Udo Felbinger, Zentrale Stelle für Provenienzforschung Hessen // Die Firma Hugo Helbing und das Hessische Landesmuseum Darmstadt – Versuch einer Rekonstruktion
12:10 | Ilse von zur Mühlen, Staatliche Graphische Sammlung München // Die Kunsthandlung Hugo Helbing und die Staatliche Graphische Sammlung München (SGSM) – Blick auf eine besondere Geschäftsbeziehung
12:30 | Nina Schleif, Staatliche Graphische Sammlung München // Stempel und Annotationen im Helbing-Bestand der SGSM

12:40 | Diskussion, danach Mittagspause

III. VOR ORIGINALEN (TEIL I)

14:00-15:00 | Besuch im Studiensaal der Staatlichen Graphischen Sammlung München. Vorstellung ausgewählter Blätter mit Helbing-Bezug durch Ilse von zur Mühlen und Nina Schleif

IV. SAMMLER
Moderation: Anja Matsuda
 
15:00 | Georg Gerleigner, Staatliche Museen zu Berlin // Hugo Helbing und die Münchner Archäologie
15:10 | Cosima Dollansky, Zentralinstitut für Kunstgeschichte, München // Handschriftlich geführte Namenslisten der Galerie Hugo Helbing. Erste Erkenntnisse und Perspektiven
15:20 | Uta Kumlehn, Potsdam Museum – Forum für Kunst und Geschichte, Potsdam // Neue Erkenntnisse aus dem Nachlass von Paul Heiland (1870–1933). Der Potsdamer Fayence-Sammler und der Münchner Kunsthändler Hugo Helbing
15:30 | Lenka Babická, Charles University, Prague // The annotated copies of auction catalogues for the sales of the Vojtěch Lanna collection – a brief contribution to the collector’s environment and network 1909

15:40 | Diskussion, danach Kaffeepause

V. HANDEL
Moderation: Johannes Nathan

16:30 | Sandra Sykora, Selbstständige Provenienzforscherin, Luzern // Ausverkauf beim Grafen Harrach: Eine gemeinsame Auktion von Hugo Helbing und Theodor Fischer
16:50 | Sylvia Krauss-Meyl, Archivdirektorin a.D. // Hugo Meyl (1867-1939), Kunsthändler für ostasiatische Kunst in München
17:00 | Anna-Lena Schneider, Zentralinstitut für Kunstgeschichte, München // Helbing – Lämmle
17:10 | Franziska Eschenbach, Zentralinstitut für Kunstgeschichte, München // Jacques Rosenthal und Hugo Helbing. Die Geschäftsstrategien zweier Händler im Münchner Kunst- und Antiquariatshandel
17:20 | Lisa Kern, Städtische Galerie im Lenbachhaus und Kunstbau, München & Angelika Michels Rooney, Sacramento, Kalifornien // Hofkunsthandlung Stuffler, Max und Anna Michels und die Auktion zu Michels Werken 1931 bei Helbing

17:40 | Diskussion (bis ca. 18:00)

Mittwoch, 23. April 2025


VI. SCHLAGLICHTER
Moderation: Meike Hopp

10:00 | Katharina Fehr, Helbing Art Research Project // Hugo Helbing als Mäzen?
10:20 | Anja Matsuda, Helbing Art Research Project // Helbing und Carl Spitzweg – Eine besondere Beziehung?
10:40 | Matthias Weniger, Bayerisches Nationalmuseum, München // Wandlungen in Nachfrage und Geschmack im zeitgenössischen Kunstmarkt
11:00 | Nicole Hartje-Grave, Kunsthaus Lempertz, Moderne, Köln // Werke von Max Slevogt bei Hugo Helbing

11:10 | Diskussion, danach Kaffeepause

VII. VOR ORIGINALEN (TEIL II)

12:00-13:00 | Führung durch die Sammlung des Lenbachhauses. Vorstellung ausgewählter Objekte mit Helbing-Provenienz durch Sarah Bock, Franziska Eschenbach und Lisa Kern

VI. SCHLAGLICHTER (Forts.)
Moderation: Meike Hopp

14:00 | Jan Thomas Köhler/Johannes Nathan/Theresa Sepp // Zum Zugang des Gemäldes „Schlaraffenland“ von Pieter Bruegel d.Ä. in die Pinakothek
14:20 | Rebecca Friedman, Holocaust Claims Processing Office, New York // Theodor Neustätter and the Galerie Helbing Partnership
14:40 | Georg Laue, Kunstkammer Georg Laue, München // Zum “Nachlass Hugo Helbing und Lydia Helbing”, In memoriam Jürgen Laue, Münchner Kunsthändler und Kunstsammler
14:50 | Anja Matsuda // Erste Einblicke in den “Nachlass Hugo Helbing und Lydia Helbing”
15:00 | Gilbert Lupfer, Deutsches Zentrum Kulturgutverluste, Magdeburg // Hugo Helbing als exemplarisches Beispiel für eine extrem schwierige Rekonstruktion einer Kunstsammlung
15:20 | Christian Fuhrmeister, Zentralinstitut für Kunstgeschichte  // Fazit (als Auftakt zur Abschlussdiskussion)

16:00 | Ende der Tagung

VIII. FÜHRUNGEN | 16:15
Cosima Dollansky, Christian Fuhrmeister, Anna Lena Schneider  (Treffpunkt im Lichthof Nord, Erdgeschoß)

1. allgemeine Führung (Geschichte, Bibliotheksbestände, Kunsthandelsquellen – quer durchs Haus)
2. allgemeine Führung zu Kunsthandelsquellen im ZI (im Bereich Photothek/Sammlungen)
3. Fokus: Annotierte Helbing-Kataloge (in Raum 110 im 1. Stock)


HUGO HELBING LECTURE | 18:15

Kim Oosterlinck, Musées royaux des Beaux-Arts, Bruxelles
Art as an Investment: The Art Market in Times of Crises (1914-1945)

KONZEPTION

  • Christian Fuhrmeister, Zentralinstitut für Kunstgeschichte, München
  • Meike Hopp, Technische Universität Berlin
  • Jan Thomas Köhler, Helbing Art Research Project, Potsdam
  • Anja Akikazu Matsuda, Helbing Art Research Project, Potsdam
  • Johannes Nathan, Forum Kunst und Markt, TU Berlin / Editor-in-Chief, Bloomsbury Art Markets, Potsdam


Mitarbeit:

  • Katharina Fehr, Helbing Art Research Project, Potsdam

Veranstalter:

  • Helbing Art Research Project, Potsdam, gefördert durch das Deutsche Zentrum Kulturgutverluste
  • Fachgebiet Digitale Provenienzforschung, Technische Universität Berlin
  • Zentralinstitut für Kunstgeschichte, München
  • Deutsches Zentrum Kulturgutverluste, Magdeburg

Diese Tagung wird finanziell unterstützt vom Verein der Freunde des Zentralinstituts für Kunstgeschichte e.V. CONIVNCTA FLORESCIT.